Hinter ihnen liegen exakt 150,2 Kilometer, sechs intensive Tage und eine ordentliche Portion Schlafmangel – doch das Strahlen in den Gesichtern verrät es sofort: Die 28 Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der Region haben es geschafft. Zu Fuß haben sie sich den Weg von Velen bis zum Kölner Dom erkämpft. Jetzt sind alle erschöpft, aber überglücklich wieder zu Hause gelandet.
Die sportliche Herausforderung war enorm. Jeden Tag mussten Strecken von teils bis zu 30 Kilometern bewältigt werden. Untergebracht war die Gruppe minimalistisch: Mit Schlafsack und Luftmatratze ging es von Pfarrheim zu Pfarrheim – konfessionsübergreifend quer durch Hervest, Gelsenkirchen, Mülheim, Düsseldorf und Sinnersdorf. Neben der reinen Strecke stand vor allem die Gemeinschaft im Fokus. Jeden Morgen startete die Gruppe mit einem Gebet und eher unbekannten Geschichten über Jesus, während die Abende durch stimmungsvolle, oft von den Teilnehmern selbst vorbereitete Taizé-Gebete geprägt waren.
„Mir hat die Tour sehr gut gefallen, besonders dass man viele neue Leute kennengelernt hat“, zieht die Teilnehmerin Lina Müller ein positives Fazit. Als ihre persönlichen Highlights nennt sie „die gemeinsame Zeit und das Escape Game während der Tour, bei dem die Gruppen den richtigen Weg komplett eigenständig finden mussten.“ Auch Timo Wellermann blickt begeistert zurück: „Die Tour war richtig schön. Mit schönen Strecken und wenig Schlaf. Besonders schön waren die gemeinsamen Abende.“
Ein ganz besonderer Zwischenstopp stand in Düsseldorf an. Nach Tagen des Wanderns legte die Gruppe einen Pausentag ein – allerdings nicht nur zum Beinehochlegen. Zwei ehemals obdachlose Mitarbeiter der bekannten Straßenzeitung fiftyfifty führten die jungen Velener durch die Rheinmetropole und zeigten ihnen ungeschminkt „Düsseldorf von unten“. Eine bewegende Erfahrung, nach der die Jugendlichen sichtlich beeindruckt in ihre wohlverdiente Freizeit entlassen wurden.
Sowohl in Düsseldorf als auch am Zielort Köln genoss die Gruppe die freie Zeit in vollen Zügen. Für Timo Wellermann ein absoluter Höhepunkt: „Highlights waren die Aufenthalte in Köln und in Düsseldorf, wo wir die Städte kulinarisch erlebt haben.“ Dass so ein langer Weg Spuren hinterlässt, blieb natürlich nicht aus. Muskelkater und schmerzende Füße waren treue Begleiter auf dem Asphalt. Doch die Gruppe fing sich in den schweren Momenten immer wieder gegenseitig auf. „Die Füße taten nach einiger Zeit dann doch weh, aber mit der Motivation der anderen hat man es dann doch geschafft“, berichtet Timo Wellermann über die harten Kilometer. Lina Müller ergänzt: „Ab und zu waren die 30 Kilometer anstrengend. Um das zu überwinden, hat man sich über anderes Gedanken gemacht und ist mit den Mitmenschen in die Kommunikation gekommen, damit ging die Zeit schnell vorüber. Insgesamt war es eine schöne und lustige Tour.“Am großen Ziel in Köln angekommen, fiel der gesamte Ballast ab. Direkt vor dem mächtigen Domportal feierte sich die Truppe lautstark selbst und hielt den historischen Moment auf zahlreichen Gruppenfotos fest. Der emotionale und spirituelle Schlusspunkt folgte kurz darauf im kühlen Inneren des Doms: Am weltberühmten Schrein der Heiligen Drei Könige versammelten sich alle zu einem letzten, gemeinsamen Abschlussgebet.
Wer dachte, die Abenteuer der diesjährigen Jugendpilgertour der Pfarrei Peter und Paul seien damit vorbei, wurde auf der Heimreise eines Besseren belehrt. Die Rückfahrt mit der Deutschen Bahn entwickelte sich noch einmal zu einem ganz eigenen, ungeplanten „Escape-Game“: Spontane Gleiswechsel, massive Verspätungen und technische Pannen machten die Heimkehr perfekt. Doch nach dieser Woche konnte die frischgebackene Pilgergemeinschaft selbst das Schienenchaos nicht mehr aus der Ruhe bringen.
